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Depressionen verstehen

Depression verstehen, heißt viele einzelne Puzzle-Teile zu einem großen Bild zusammenfügen.
 
Denn eine Depression entsteht erst dann, wenn mehrere Faktoren im Leben aufeinander treffen: Die Neigung an einer Depression zu erkranken wird zum einen genetisch vererbt. Aber nicht die Erkrankung wird vererbt, sondern die Tendenz daran zu leiden. Des Weiteren wird eine Depression durch eine Kindheit gefördert, in der Selbstzweifel geschürt und Ängste entwickelt wurden. Doch erst, wenn äußere Rahmenbedingungen hinzukommen, die zu chronischem Stress führen, der nicht bewältigt und abgebaut wird, erst dann kann eine Depression zum Ausbruch kommen. 
 

Depression - eine Stoffwechsel-Erkrankung?

Unser Körper nimmt täglich neue Stoffe auf, wandelt diese um und scheidet Stoffe aus. Bei dieser Komplexität im Ganzen spricht man vom „Stoffwechsel“. Wenn man nun bedenkt, dass alle Organe sowie unser Hormonhaushalt auf einem funktionierenden Stoffwechsel beruhen, bekommt man vor diesem zunächst eine gute Portion Respekt!

Da ein Stoffwechsel-Prozess äußerst umfangreich ist, ist es leicht nachzuvollziehen, dass beim täglichen Ablauf etwas „schief“ laufen kann. Genetisch bedingte Faktoren, äußere Einflüsse (z.B. einseitige Ernährung, mit einem Mangel an Omega-3 Fettsäuren) und chronischer Stress, können zu einer Schieflage des Stoffwechsels führen. Ist ein Teil des Prozesses vorübergehend oder dauerhaft gestört, wird der Mensch krank.
 

Was passiert dabei genau bei der Depression?

Treffen zu viele belastende Faktoren im Leben aufeinander, kann der Mensch Druck und Stress nicht mehr bewältigen. Der natürliche Rhythmus in Körper und Seele gerät aus dem Gleichgewicht.
 
Betrachten wir eine Depression rein vom biologischen Ablauf in unserem Körper, könnte man meinen, dass sie zu den Stoffwechselerkrankungen zählt.  Als solche bezeichnet man aber in der Regel chronische Störungen, wie u.a. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, usw., die nicht mehr ganz zu beheben sind. In diesem Sinne ist bei der Depression der „Wechsel der Stoffe“ meistens nicht gestört. Man könnte allenfalls sagen, dass die Depression eine vorübergehende Stoffwechselerkrankung ist. Bei dieser geraten Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht, die zum einen unsere menschlichen Grundbedürfnisse regeln (z.B. Schlafen, Antrieb, Essen, Sexualität) und die des Weiteren für unsere Gefühle und Gedanken verantwortlich sind.
 
Eigentlich entsteht die Depression aber dadurch, dass das Schlaf- und Stimmungshormon „Serotonin“ nicht mehr ausreichend nervliche Impulse im Gehirn überträgt. Zugleich sind dabei Teile des Gehirns weniger aktiv, die normalerweise das Stresszentrum beruhigen. Dadurch nimmt der Stress immer mehr zu. Damit ist aber nicht der äußere Stress gemeint, sondern der, den man sich selber dadurch macht, dass man sich kritisiert, an sich zweifelt, sich abwertet und Vorwürfe macht, meistens schon seit der Kindheit. Durch zu viel Stresshormon im Blut gehen wiederum Nervenzellen im „Arbeitsspeicher“ des Gehirns kaputt. Dadurch kann man schlechter planen, sich konzentrieren, entscheiden und Dinge merken.
 
Glücklicherweise wachsen neue Nervenzellen nach, die die abgestorbenen ersetzen, aber erst dann, wenn der Stress abgebaut ist!
 

Depression und die menschlichen Gene

Aus Sicht der Wissenschaft kann Depression vererbt werden. In Familienstudien wurde nachgewiesen, dass Verwandte von Menschen mit Depressionen zu mindestens 20 Prozent ebenfalls an Depressionen litten, während in der Allgemeinbevölkerung nur ca. jeder Zehnte von ihr betroffen ist. Aus dem Ergebnis der Studien schlussfolgerte man, dass die Neigung zu einer Depression mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingt ist.
 

Depression und Kindheit

Mehrere psychologische Modelle gehen davon aus, dass ein weiterer Teil des Depressions-Puzzles in der frühen Kindheit des Betroffenen zu finden ist. Wurde der Mensch in seinen ersten Lebensjahren gefordert oder gefördert? Fühlte man sich als Kind ungeliebt und wertlos oder wurde man häufig gelobt sowie emotional gestärkt? Wurden Selbstzweifel, Hilflosigkeit und Ängste geschürt oder wurden die Grundsteine für ein starkes Selbstbewusstsein gelegt?
 
Ohne Selbstwertgefühl neigen Menschen zur Abhängigkeit anderer. Alleine fühlen sie sich hilflos. Sie suchen die extreme Zuneigung des Partners sowie eine außerordentliche Bestätigung im Freundes- und Bekanntenkreis. Droht nun eine Trennung in der Partnerschaft oder der Verlust des Arbeitsplatzes, löst diese Situation das Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht und ungeliebt sein aus. Um genau dieses zu vermeiden, gehen Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl Konflikten gerne aus dem Weg. Sie setzen keine Grenzen, vermeiden Auseinandersetzungen, sie geben verstärkt in Diskussionen nach und machen mehr, als sie oder auch jeder andere verkraften würde. Das Ende ist absehbar: Irgendwann sind die Energiereserven erschöpft.
 

Depression und ihre Auslöser

Um nun bereits genannte Faktoren letztendlich in einer Depression münden zu lassen, fehlt noch das vierte Puzzle-Teil – der Auslöser. Meist wird eine Depression durch lang anhaltenden Stress ausgelöst. Negativer Stress entsteht beispielsweise in einer unglücklichen Beziehung, für die man keine Kraft findet, sie zu ändern oder sie zu beenden. Droht der Verlust des Arbeitsplatzes oder hält die finanzielle Not Monate oder gar Jahre an, können diese ebenfalls so aufs Gemüt schlagen, dass sie in einer Depression enden. Als weiterer Auslösefaktor gilt ein unbewältigter Todesfall oder eine schwere chronische Krankheit, die den Alltag kontinuierlich beschränkt. Wenn negativer Stress über einen langen Zeitraum zum Leben zählt, schlägt er aufs Gemüt!
 

Depression als Bildnis

Kommen nun alle (oder drei) Faktoren zusammen, kann die Depression in ihrer ganzen Wucht und Symptomatik ausbrechen. Das Puzzle ist zu einem Ganzen geworden! Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass je mehr belastende Faktoren zusammenkommen, sich das Risiko an einer Depression zu erkranken erhöht. Jedoch gilt auch hier der Wechseleffekt im Umkehrschluss: Je mehr entlastende Faktoren (stabile Partnerschaft, Zufriedenheit im Berufsalltag, existenzielle Sicherheit, stabiles soziales Umfeld) im Leben fest integriert sind, desto geringer ist auch das Depressions-Risiko.
 
Eine Depression kann sich über Wochen, Monate oder Jahren hin ziehen, doch jede Depression hat ein Ende! Indem man von der De-Pression zur Ex-Pression gelangt, vom Nieder-druck zum Selbst-Aus-druck!